Sicherheitenrahmen des Eurosystems

Seit 2007 besteht der einheitliche Sicherheitenrahmen des Eurosystems ("Single List"). Die Europäische Zentralbank (EZB) gibt diesbezügliche detaillierte Informationen zu Regeln der geldpolitischen Implementierung sowie des Sicherheitenrahmens vor:

Am 3. November hat die Europäische Zentralbank (EZB) die bis dato gültige Leitlinie hinsichtlich der Durchführung des geldpolitischen Handlungsrahmens des Eurosystems (EU/2015/510) durch eine neue Guideline (ECB/2016/31) mit Wirkung zum 1. Januar 2017 geändert bzw. ersetzt ("ECB amends Guidelines relating to the Eurosystem's monetary policy implementation"). Die EZB überprüft dabei regelmäßig auch ihr Rahmenwerk für Sicherheiten und passt es an aktuelle Marktentwicklungen an ("ECB reviews its risk control framework for collateral assets"). Von besonderer Bedeutung sind hierbei die qualitativen Anforderungen an marktfähige Sicherheiten sowie die hierauf angewendeten Sicherheitsabschläge ("haircuts").

Die Analysten der DZ BANK haben die wesentliche Änderungen der aktuellen Leitlinien in einer Research-Publikation umfänglich beleutet und gleichzeitig die Bedeutung von ABS als EZB-Collateral untersucht:

zur Researchpublikation der DZ BANK

Als marktfähige Sicherheiten sind die folgenden Schuldtitel zugelassen:

  • Staatsanleihen
  • Covered Bonds
  • Ungedeckte Bankschuldverschreibungen
  • Unternehmensanleihen
  • ABS

Spezielle Kriterien für ABS

Für ABS sind in der Leitlinie über die Durchführung der Geldpolitik des Eurosystems spezielle Zulassungskriterien (Eligibility Criteria) definiert worden, die im Folgenden kurz zusammengefasst werden.

  • Die Anleihen müssen in Euro denominiert sein.
  • Die verbrieften Forderungen müssen so an ein SPV übertragen werden, dass es vom Eurosystem als "True Sale" eingestuft wird und der True Sale muss durch ein Gesetz eines EU-Mitgliedslandes erfolgen. Der synthetische Risikotransfer ist nicht anerkannt.
  • Wiederverbriefungen (ABS als Underlyings) sind nicht zulässig.
  • Ab Mai 2015 sind Leasing-ABS mit enthaltenen Restwerten nicht mehr zulässig.
  • Sowohl für den Originator, das SPV und den Schuldner der Kredit- oder Leasingforderungen (Unternehmen/Verbraucher) gilt, dass deren Sitz innerhalb des EWR liegen muss.
  • Das Eurosystem akzeptiert ausschließlich Senior Tranchen (keine Form der Subordination).
  • Bereitstellung von Loan Level Daten im vorgegebenen Format.
  • Selbst wenn ein Schuldtitel notenbankfähig ist, kann ein Geschäftspartner keine ABS als Sicherheiten stellen, wenn er oder eine Stelle, zu der er enge Verbindungen unterhält entweder eine Währungsabsicherungsvereinbarung mit dem Emittenten eingeht oder wenn er eine Liquiditätsunterstützung (Liquiditätsreserve oder Liquiditätsfazilität) bereitstellt.
  • Die Schuldtitel müssen von zwei Ratingagenturen bewertet worden sein.

Prüfung der Zulassungskriterien

  • Der Originator oder der Arranger kontaktiert die zuständige Zentralbank im Land der Börsenzulassung.
  • Die Zentralbank prüft die Notenbankfähigkeit der eingereichten Anleihen.
  • In Zweifelsfragen erfolgt die Konsultation des Eurosystems.
  • Finale Einstufung und Kommunikation zum Originator. Bei zugelassenen Anleihen erfolgt die Bekanntgabe der Entscheidung und die Anleihen werden auf der EADB-(Eligible Assets Data Base) Webseite der EZB gelistet.
  • Eurosystem Geschäftspartner können die ABS-Anleihen als Sicherheit für Geldmarktgeschäfte nutzen