Abgrenzung ABS (True Sale Verbriefung) zu synthetischer Verbriefung
Wenn eine verbriefende Bank einen Teil ihres Portfolios unter Risiko- oder Finanzierungsgesichtspunkten umstrukturieren will, so hat sie zwei Möglichkeiten. Entweder kann sie bestimmte Kredite direkt verkaufen, oder sie transferiert nur das Ausfallrisiko dieser Kredite mittels Gewährleistungen (Garantien oder Kreditderivaten) und bleibt weiterhin Eigentümerin dieser Kredite. Zwei verschiedene Typen von Verbriefungen werden deshalb unterschieden: True Sale Verbriefungen (der erste Fall) und synthetische Verbriefungen (der zweite Fall).
- Bei einer True Sale Verbriefung werden die Aktiva der Bank tatsächlich an das SPV verkauft und bleiben nicht auf der Bankbilanz. Das SPV emittiert Wertpapiere, mit denen der Kauf des Portfolios finanziert wird. Eine solche Transaktion lässt dem Originator liquide Mittel zufließen, die in etwa dem Barwert aller Zins- und Kapitalzahlungen der Forderungen im Portfolio entsprechen.
- Im Unterschied dazu verbleiben bei einer synthetischen Transaktion die verbrieften Aktiva auf der Bilanz der Bank. Es wird lediglich das Risiko an den Kapitalmarkt transferiert, ohne dass sich die Eigentumsverhältnisse am verbrieften Kredit ändern. Die Absicherung erfolgt über Garantien oder auch den Einsatz von Kreditderivaten, d.h. die Bank zahlt einem Investor eine Prämie dafür, dass dieser der Bank potenzielle Verluste ersetzt. Diese Absicherung funktioniert im Wesentlichen wie eine Garantie. Bei synthetischen Verbriefungen kommen zumeist Credit Default Swaps (CDS) oder Credit Linked Notes (CLNs) zum Einsatz. CDS ähneln zu einem gewissen Grad einer klassischen Kreditversicherung. Wie in einer True Sale Transaktion wird der Risikotransfer auch hier in einer tranchierten Form durchgeführt, so dass das Kreditrisiko durch unterschiedliche Tranchen an Senior- und Juniorinvestoren abgegeben wird.
Die Wahl der Transaktionsform hängt von den Zielen des Originators ab. Synthetische Verbriefungen, die sich insbesondere in Deutschland großer Beliebtheit erfreut haben, sind kostengünstiger als True Sale Transaktionen. Für einen Originator, der über eine günstige und stabile Refinanzierungsbasis verfügt und nur das Kreditrisiko seines Portfolios reduzieren will, ist die synthetische Verbriefung daher häufig das effizientere Instrument, weil sie schneller und flexibler zu strukturieren ist. Eine True Sale Struktur hat dagegen neben dem Risikotransfer für den Originator den Vorteil, dass er Liquidität erhält, und zwar unabhängig vom eigenen Rating. Denn über den Kaufpreis für die Aktiva fließen ihm Mittel überwiegend zu günstigen AAA-Konditionen zu – dank der Tranchierungstechnik, durch die die Nachrangtranchen einen Risikopuffer für die darüber liegenden Tranchen bilden. Sind für die Originator die beiden Ziele Liquidität und Risikotransfer prioritär, wird er sich für eine True Sale Verbriefung entscheiden.


